NaNoWriMo 2020 – diesmal doch nicht …

Manchmal läuft einfach nichts so, wie geplant.

Der ursprüngliche Plan

Schreiben, schreiben, schreiben!
Genauer gesagt: Die Rohfassung von „Botanicum Horroris“ schreiben. Endlich eine Rohfassung beenden. Der Oktober sollte dabei komplett der Vorbereitung dienen – Plotten, Figurenentwicklung, mit allem Drum und Dran, damit ich im November gar nicht mehr groß nachzudenken brauche und notfalls auf einen Pool an Informationen zurückgreifen kann. Das Projekt selbst habe ich, sobald es möglich war, auf der Seite des „National Novel Writing Month“ (kurz NaNoWriMo) angelegt.
Außerdem ließ ich bereits im September (nicht für den NaNoWriMo, sondern für mein allgemeines Wohlbefinden) meine Verpflichtungen beim Nornennetz und dem Schreibnacht-Magazin bis Ende des Jahres ruhen, um mich mehr auf mich selbst zu fokussieren.

Die Tatsachen

In der Theorie klang das alles ganz wundervoll. De facto steht auch schon einiges für dieses neue Plotbunny, das mir erst Anfang August zugelaufen ist, nachdem ich den Botanischen Garten in Münster besucht habe (mehr könnt ihr hier erfahren – einfach ganz nach unten scrollen).
Praktisch geht es mir seit Anfang Oktober einfach nicht gut genug, um mich auch nur ansatzweise mit dem Autor:innenleben beschäftigen zu können. Manchmal überfordert mich bereits der bloße Gedanke ans Schreiben. Oder Scrivener zu öffnen.

NaNoWriMo - Pflicht oder Vergnügen?

Wenn man in den sozialen Medien unterwegs ist und selbst schreibt, kommt man nicht um den National Novel Writing Month herum. Autor:innen aus allen Ländern der Welt nehmen sich vor, in einem Monat 50.000 Wörter für ihr Projekt zu schreiben und es im besten Fall zu beenden. Es entstehen hitzige Diskussionen, ob man sich den Stress des NaNos überhaupt antun sollte. (Und ja, es ist stressig!) Wordcounts fliegen mir um die Ohren, manche Autor:innen haben ihr Ziel schon am fünften Tag erreicht und ich frage mich, wie zur Hölle so etwas möglich ist.
Um es nochmals zu betonen: Ich liebe das Schreiben. Es ist die Tätigkeit, die mich am meisten erfüllt (außer Lesen, vielleicht), aber gleichzeitig sind meine Ansprüche an mich selbst mit der Zeit extrem gestiegen. Am NaNo teilzunehmen, ist jedes Jahr aufs Neue verlockend und dass man nur kurz Twitter öffnen muss, um auf begeisterte Autor:innen zu treffen, tut sein Übriges. Und doch frage ich mich: Wo bleibe ich dabei?

Wenn alles zu viel wird

Mein Schreibtempo ist von jeher eher schneckengleich. Weder schreibe ich regelmäßig, noch außerordentlich schnell, obwohl ich sehr schnell tippen kann. Die 50.000 Wörter sind für mich eine riesengroße Herausforderung, der ich mich eigentlich nur stellen kann, wenn es keine anderen Anforderungen an mich gibt, ich mich mit keinen anderen Problemen auseinandersetzen muss als mit denen meiner Figuren.
Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass das ziemlich utopisch ist. Selbst mit den zwei Wochen Urlaub, die ich für Anfang November bewilligt bekommen habe, verschwinden die Anforderungen nicht. Hinzu kommt der neuerliche Corona-Lockdown, der seit dem 2. November deutschlandweit gilt. Ich bin ein Mensch, der viel Ruhe und Zeit für sich selbst benötigt, was mein Alltag aber nicht sehr häufig hergibt. Gleichzeitig sehne ich mich nach Abwechslung und neuen Eindrücken. Beim Schreiben verhält es sich ähnlich: Es fällt mir extrem schwer, zu schreiben, wenn andere Menschen zugegen sind. In einer anonymen Umgebung wie der Stadtbücherei mag es noch funktionieren, weil mich die vollen Bücherregale inspirieren und es um mich herum still ist. Zuhause am Schreibtisch sind Motivation und Konzentration meist schon dann abgehauen, wenn mein Mann nach Hause kommt (obwohl er mein Schreiben in jeglicher Hinsicht unterstützt). Außerdem lenken mich meine beiden Katzen auch sehr gerne vom Schreiben ab, chrm-chrm.
Es bleibt die Frage: Und wo bleibe ich?

Haushalten

In der letzten Zeit habe ich, auch mithilfe meiner Brainstormers, viel über meine bisherige Herangehensweise an Projekte nachgedacht. Ob mein bisheriges Vorgehen einfach nicht dazu geeignet war, mich laufend bei der Stange zu halten und gegen Widerstände und Plotholes anzukämpfen. Ich habe tatsächlich ein neues Konzept gefunden, das ich gerne ausprobieren möchte und werde zu gegebener Zeit davon berichten.
Und trotz des neuen Konzeptes stellt sich ein einziges Gefühl ein: Überforderung. Nicht weil das Konzept besonders kompliziert ist, sondern weil ich selbst gerade nicht imstande bin, diese Leistung zu vollbringen. Und es ist hart, sich das einzugestehen, aber nicht am NaNo teilzunehmen, bedeutet in diesem Fall, auf mich selbst aufzupassen. Mein Projekt läuft mir nicht davon. Meine Wohnung hingegen, die gerade ein einziger Saustall ist, könnte es irgendwann. Und so nutze ich das bisschen Energie, das ich gerade habe, lieber dafür, in einer Umgebung zu regenerieren, in der ich mich wohlfühle.
Den Hashtag #NaNoWriMo werde ich daher bis Ende November stummschalten.

Zum Schluss ...

Allen, die beim NaNoWriMo teilnehmen, wünsche ich viel Erfolg – und vor allem Spaß! – beim Erreichen ihres persönlichen Ziels. Und passt gut auf euch auf.

4 Replies to “NaNoWriMo 2020 – diesmal doch nicht …”

  1. Liebe Katrin,

    Du hast sicherlich die richtige Entscheidung für dich getroffen. Wenn’s nicht geht, geht’s nicht, und es ist wichtig mit der Kraft, die man hat, hauszuhalten. Ich hoffe, du kommst ein wenig zur Ruhe!

    Liebe Grüße,
    Francis

    1. Hey Francis,
      ja, da hast du absolut recht (oder Recht? Ich kann’s mir einfach nicht merken). Danke für deinen Kommentar und die lieben Wünsche! ❤
      Liebe Grüße,
      Katrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert