– Lebenszeichen –

Schwangerschaft (Übelkeit, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Motivationslosigkeit, Ängste)

Auf die Stille folgt das Leben.

Vergangenes

Erinnert ihr euch noch an letzten November? Ich war Feuer und Flamme, den NaNoWriMo zu rocken und meinem neuesten Projekt Botanicum Horroris Leben einzuhauchen. Bis ich mir eingestehen musste, dass ich dazu nicht die Kraft besaß. Die Kraft kehrte auch Wochen danach noch nicht zu mir zurück. Es war eine anstrengende Zeit, die mir viel abverlangt hat. Ich habe Kilos verloren, die ich nicht verlieren wollte, denn es war schon vorher nicht viel an mir dran, und neue Gedanken übermannten mich, Sorgen, mit denen ich mich zuvor noch nie auseinandersetzen musste.

Kein Wunder – denn schwanger war ich noch nie!

Wenn Prioritäten sich verschieben

In meinem letzten Blogbeitrag „NaNoWriMo 2020 – diesmal doch nicht …“ erzählte ich, dass es mir nicht gut genug ging, um mich auch nur ansatzweise mit dem Autor:innenleben zu beschäftigen. Dass ich nicht imstande war, die Leistung, die das Schreiben einer Rohfassung erfordert, zu erbringen.

Foto aus der Kopenhagener Metro
Wohin führt der Weg?

Zu diesem Zeitpunkt steckte ich bereits mitten im ersten Drittel der Schwangerschaft, das neben der Freude über das Wunder des neuen Lebens bekanntermaßen hauptsächlich aus Nebenwirkungen besteht. Und ich habe das Gefühl, ich habe alles mitgenommen, was es gibt. Die Keramik wurde zu meinem besten Freund, mein Körper schrie am laufenden Band nach einer waagerechten Position, mein kompletter Speiseplan wurde auf den Kopf gestellt. Teilweise habe ich 15 Stunden pro Tag geschlafen. Selbst Lesen wurde zu einer schier unüberwindbaren Herausforderung und das machte mich komplett fertig. Wie sollte ich mich erholen, wenn ich nicht einmal mehr lesen konnte? Ich fühlte mich meiner Seele beraubt. Kein Schreiben, kein Lesen … Gleichzeitig war mir völlig klar, warum ich das alles auf mich nahm. Das machte diese Entbehrungen und die körperlichen Zumutungen erträglicher.

Veränderungen vs. Gewohnheitstier

Inzwischen bin ich in der 18. Schwangerschaftswoche, was in etwa der Mitte des fünften Monats entspricht. Noch immer muss ich auf alle möglichen Dinge achten. Das beginnt damit, welches Müsli ich morgens essen kann, damit ich mich nicht schon wieder übergeben muss (die Keramik will mich einfach nicht gehen lassen …), und endet damit, dass ich nicht vergesse, dass mein Mann jetzt das Katzenklo säubert. 
Tagsüber drehen sich meine Gedanken darum, wie ich das Kinderzimmer einrichten möchte, wo ich im Dauer-Lockdown Umstandskleidung kaufen soll, und wie ich meinen Mann am besten teilhaben lassen kann, da er leider nicht mit zu den Vorsorgeuntersuchungen darf. Meine Nächte sind voller wirrer Träume und habe ich meine Träume zuvor gerne zu Plotbunnys verarbeitet, fühlt sich das jetzt einfach nur falsch an. Dabei bin ich ein absolutes Gewohnheitstier. Ich mag es, wenn Dinge ihren gewohnten Gang nehmen und ich meinen Alltag selbst gestalten kann. Kurz gesagt: Wenn ich die Kontrolle behalten kann. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Das Gefühl, fremdgesteuert zu sein, wuchs und wuchs.

Ich erinnere mich noch gut daran, was ich vor Jahren zu einer Freundin sagte, als wir uns über die Zukunft unterhielten und dabei natürlich auch auf Familienplanung zu sprechen kamen: „Ja, ich möchte eine Familie. Aber die Schwangerschaft ist für mich ein notwendiges Übel.“ Sie sah mich mit großen Augen an und meinte, wir sprächen uns nochmal, wenn es so weit sei.
Heute würde ich meine Aussage von damals zwar nicht zurücknehmen. Aber zu spüren, wie ein Baby in mir heranwächst, ist ein fantastisches Gefühl, das sich mit nichts vergleichen lässt, trotz all der Sorgen,

Gewürzgurken mag ich immer noch nicht!

Entbehrungen und körperlichen Wehwehchen. Richtig begriffen habe ich das wahrscheinlich immer noch nicht.

Zurück zum Schreiben?

Inzwischen bin ich – glaube ich und hoffe ich – aus dem Gröbsten raus, zumindest, bis mein Bauch mich daran hindert, mir die Schuhe zuzubinden. Ich habe hoffentlich eine Lösung gefunden, endlich der Keramik zu entsagen und die Schwangerschaft selbstbestimmt zu gestalten. Dazu gehört auch, dass ich seit ein paar Tagen endlich wieder den Drang verspüre, in die Tasten zu hauen.

Ich vermisse das Schreiben.

Sogar meine Aktivität auf Twitter und bei meinen Brainstormers hat drastisch nachgelassen, weil ich nicht mehr wusste, was ich mitteilen sollte. Schließlich hat sich meine „Bubble“ nicht verändert und niemand will etwas von einer Pseudo-Autorin lesen, die nicht schreibt und nur jammert. Ich habe mich seltsam einsam gefühlt … Aber so langsam kehrt die Verbundenheit zurück und darüber bin ich heilfroh. Mein Kopf ist voller Pläne für die ersten Monate des Jahres, bis sich meine Welt voraussichtlich ab Juni nur noch um einen einzigen Menschen drehen wird. Und diese Zeit möchte ich so gut wie möglich nutzen und dabei Spaß haben.

In diesem Sinne: Willkommen zurück im Autor:innenleben! 🙂

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